Projektübersicht

Psychische Erkran­kungen treffen viele Menschen, jedoch nicht alle auf die gleiche Weise. Geschlecht, Herkunft, soziale Lage, Wohn­situation und weitere Aspekte (die sieben Diversitäts­dimensionen der Charta der Vielfalt) beein­flussen, wie Be­troffene erkranken, welche Therapien sie erhalten und wie gut die Therapien wirken. Trotzdem werden diese Unter­schiede bislang kaum syste­matisch in der psychiatrisch-psychotherapeutischer Ver­sorgung berück­sichtigt.

Das Projekt PSY-DIVER wird durch den Innovations­ausschuss beim Gemeinsamen Bundes­ausschuss (G-BA) gefördert und untersucht, wie diese und weitere diversitäts­bezogene Faktoren in Zukunft besser berück­sichtigt werden können. Dafür werden Daten der neun psychiatrisch-psychotherapeutischen Fach­kliniken des LVR-Klinik­verbunds ausgewertet, der jährlich rund 35.000 Menschen mit psychischen Erkran­kungen stationär und 70.000 Menschen mit psychischen Erkran­kungen ambulant betreut. Zusätzlich werden Betroffene, An- und Zu­gehörigen und Fach­kräfte befragt, damit ihre Erfahrungen und Bedürfnisse besser verstanden werden. Das Projekt integriert Elemente der partizi­pativen Forschung, bei der Betroffene aktiv einbezogen werden. Nach der Daten­auswertung ist das Ziel die gemeinsame Ent­wicklung von Handlungs­empfehlungen für eine geschlechts- und diversitäts­sensible Gestaltung der psychiatrisch-psychotherapeutischer Ver­sorgung.

Ziele

Entwicklung von Verfahren zur Datenerkennung

Entwicklung eines Verfahrens, mit dem sich diversitätsrelevante Informationen in Routinedaten und klinischen Dokumentationen zuverlässig erkennen lassen – auch nutzbar für zukünftige Forschungsprojekte.

Erkennen von geschlechts- und diversitätsspezifischen Unterschieden

Erkennen von geschlechts- und diversitätsspezifischen Unterschieden in der Versorgung psychisch erkrankter Menschen: in der Verschreibung von Psychopharmaka, im Angebot von Psychotherapie und psychosozialen Therapien sowie in der Wirksamkeit der Behandlungen (intersektionaler Ansatz).

Entwicklung von Handlungsempfehlungen

Entwicklung von Handlungsempfehlungen, um stationäre und ambulante psychiatrische Versorgung diversitätssensibel und bedarfsgerecht weiterzuentwickeln.

Hintergrund

In der psychiatrischen Krankenhaus­versorgung spielen Pharmako­therapie, Psycho­therapie und psycho­soziale Therapien eine zentrale Rolle. Wie Be­troffene diese Angebote nutzen und wie wirksam sie sind, hängt nicht nur von der Erkran­kung ab, sondern auch von geschlechts- und diversitäts­bezogenen Faktoren. Diese können Barrieren schaffen, etwa durch Sprach­probleme, kulturelle Unter­schiede, Vor­behalte gegenüber Therapien oder soziale Benach­teiligungen. Auch körperliche Unter­schiede können beein­flussen, wie gut Medikamente vertragen werden. Bisher fehlen jedoch Studien, die die Inanspruch­nahme und Wirk­samkeit von Therapien in psychiatrischen Kranken­häusern unter Berück­sichtigung von Geschlecht, Alter, Herkunft oder sozialen Faktoren syste­matisch untersuchen.

Gleichzeitig werden diversitäts­bezogene Aspekte zunehmend wichtiger: Neue wissen­schaftliche Er­kenntnisse zeigen geschlechts­spezifische Einfluss­faktoren auf die Wirk­samkeit und Ver­träglichkeit von Therapie­verfahren. Demo­grafische und sozio­kulturelle Ver­änderungen führen zu einer Zunahme älterer Be­troffener und Menschen mit Flucht­erfahrung und/oder Migrations­hintergrund. Ebenso steigt die Zahl an Menschen mit zunehmend prekären Lebens­bedingungen wie Wohnungs­losigkeit. Diese Ent­wicklungen unter­streichen die Not­wendigkeit einer bedarfs­gerechten und diversitäts­sensiblen Ver­sorgung.

Studiendesign & Datenschutz

PSY-DIVER nutzt ein Mixed-Methods-Design. Dabei werden die Aus­wertungen großer Daten­mengen und persönlicher Be­fragungen kombiniert. Das Studien­design folgt dabei einem partizipativ-generativen Ansatz und zieht Be­troffene von psychiatrischen Erkran­kungen, aber auch An- und Zu­gehörigen von Be­troffenen und klinische Fach­kräfte in Kern­entscheidungs­bereiche des Projekts mit ein. Mithilfe von künstlicher Intelligenz werden aus den digitalen Kranken­akten der neun psychiatrisch-psychotherapeutischen Fach­klinken des LVR zusätzliche Infor­mationen gewonnen. Dabei werden nur anony­misierte Daten verwendet, ein Rück­schluss auf einzelne Patient*innen ist nicht möglich. Der Daten­schutz wird in jeder Phase des Projekts gewähr­leistet.

PSY-DIVER ist ein Projekt des LVR-Instituts für Forschung und Bildung (IFuB). Das Projekt wird durch den Innovationsfonds beim Gemeinsamen Bundesausschuss (G-BA) finanziell gefördert und durch die Deutsche Gesellschaft für Psychiatrie und Psychotherapie, Psychosomatik und Nervenheilkunde e. V. (DGPPN) unterstützt.

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